
Jón Laxdal (1933-2005)
Jón Laxdal war das zwölfte Kind einer isländischen Fischerfamile. Er begann mit seiner Ausbildung an der Schauspielschule des Nationaltheaters in Island. Nach dem Studium am Max-Reinhardt Seminar in Wien erhielt er sein erstes Engagement 1959 an den Städtischen Bühnen in Rostock – er war als Regisseur und Schauspieler tätig. Nach Engagements in Deutschland spielte er ab 1968 in der Schweiz (Innerstadtbühne Aarau, bei Claque in Baden, Schauspielhaus Zürich bis 1978). Ab 1978 war er freischaffender Schauspieler und Regisseur. Unter anderem verkörperte er die Hauptrollen in Romanverfilmungen des isländischen Nobelpreisträgers Halldór Laxness «Das wiedergefundene Paradies» und «Fischkonzert» unter der Regie von Rolf Hädrich.
Die Entstehung des Theaters
Anfang der 80er Jahre gründete Jón Laxdal sein eigenes Theater im kleinen romantischen Städtchen Kaiserstuhl am Hochrhein. Nach diversen Spielorten fand das Theater 1991 im Amtshaus-Keller seine feste Bleibe, einem für kleine Produktionen hervorragend geeigneten Raum aus Naturstein-Gewölbe mit seinen urtümlichen Fenster- und Treppenabsätzen. Dieses so genannte «Amtshaus St. Blasien» ist ein steinerner Zeitzeuge jahrhundertelanger wirtschaftlicher Verknüpfungen des Klosters St. Blasien, im Schwarzwald, mit der Region Kaiserstuhl und Weiach. Schnell erfreute sich das kleine Theater mit seinen Aufführungen dies- und jenseits des Rheins großer Beliebtheit. Mit anhaltendem Erfolg wurden Werke von Molière, Tschechov, Gogol, Dürrenmatt, Albee, Becket und vielen anderen inszeniert.
Als der Theatergründer im Mai 2005 verstarb, übernahmen seine Gattin Katerina Laxdal und sein Lebenspartner Vaclav Jaros die Leitung. Vaclav Jaros, der Vater von Katerina Laxdal, begleitete das Theater bis Ende 2009 unterstützend in künstlerischen Belangen.
Das Laxdal-Theater heute
Der programmatische Schwerpunkt ist heute der Gleiche wie zu Lebzeiten von Jón Laxdal: Das Theaterteam befasst sich vor allem mit zwischenmenschlichen Beziehungen, der Menschwerdung durch Lebenskrisen und will das Abenteuer des menschlichen Dasein auf der Bühne zeigen. Das Ziel der Betreiber ist, Geschichten zu erzählen, die aus dem immensen Reichtum der Sprache schöpfen und dabei der Äußerung von Jón Laxdal treu zu bleiben:
«Das Theater soll ganz von der Faszination der Sprache leben und sich nicht auf den moralisierenden Finger abstützen»
In den vergangenen Jahren ist es gelungen, mit eindrücklichen Inszenierungen den vom Gründer eingeschlagenen Weg weiterzuverfolgen. Alle gezeigte Stücke wurden mit Begeisterung vom Publikum aufgenommen und das Theater ist zu einem unverzichtbaren Teil der grenzüberschreitenden Kulturlandschaft geworden.
Träger
Das Laxdal-Theater ist ein professionelles Theater. Es führt grundsätzlich keine Gastspiele auf. Um ein durchwegs hohes künstlerisches Niveau zu erreichen, konzentriert es seine Mittel auf zwei Produktionen pro Jahr im eigenen Haus.
Getragen wird das Theater durch die Kulturförderung des Kantons Aargau, das Aargauer Kuratorium, durch Zuschauereinnahmen, durch Beiträge umliegender Gemeinden und durch die Unterstützung von weiteren Gönnern. Das Aargauer Kuratorium leistet dabei den Hauptbeitrag mit zur Zeit CHF 85'000.– jährlich.